„Die Ausübung des hawaiianischen Tanzes hat mir deutlich mehr Struktur und Fokus gegeben “ – Interview mit OT pur-Dozentin Therese

Therese und die Ipu Heke - Foto: K. Poledica

Therese ist seit Anfang 2019 Dozentin für Hula im OT pur.
Ich habe Therese auf dem Tanztag Rhein-Main 2018 kennengelernt, nachdem sie mir mit Hula-Angebote auf Facebook aufgefallen war. Ich habe sie einfach angeschrieben und wir haben ein Treffen abends auf dem Tanztag im Mousonturm vereinbart.
Wir haben uns super verstanden, aber an diesem Abend leider nicht viel Zeit gehabt.
Ein „Vorstellungsgespräch“ und zwei Probestunden weiter, waren wir uns aber sicher: Wir wollen Hula in Frankfurt bekannter machen und Kurse sowie Workshops anbieten. Therese ist seit März 2019 Mitglied im „Team OT pur“.

Wie sie zum Tanzen gekommen ist, was Unterrichten für sie bedeutet und ihre Ansichten zu Hula erfährst du diesem Interview.

1. Wie bist Du zum Tanzen gekommen, welche Tänze hast Du schon ausprobiert und welche tanzt bzw. unterrichtest Du heute?

Man erzählt, ich hätte mich schon in frühen Kindertagen wild zu Musikbegleitung über Wiesen gerollt (Ausdruckstanz :-)).
Als Jugendliche habe ich mich eine Zeit lang in Stepp-Tanz ausprobieren dürfen. Das perkussive Element hat mich hier sehr gereizt und über den Wunsch, trommeln zu lernen, bin ich während meiner Studienzeit durch Zufall in den hawaiianischen und tahitianischen Tanz hineingerutscht. Beides betreibe ich heute mit sehr viel Leidenschaft.

2. Was macht diesen Tanz für Dich aus?

Therese - Foto: K. Poledica
Therese – Foto: K. Poledica

Insbesondere der hawaiianische Tanz hat mir gezeigt, dass Erdung und Eleganz sich nicht ausschließen, sondern gegenseitig befruchten. Wie in anderen kulturellen Tänzen ist man auch im Hula und im tahitianischen Tanz gezwungen, sich ganz intensiv den Hintergründen zu widmen und sich beispielsweise mit der Sprache, den Mythen und der Herstellung von Blumenkränzen zu befassen oder das Trommeln, Singen und Ukulele spielen zu erlernen. Mir gefällt dieses „Multitasking“ – es gibt immer neue Herausforderungen.

3. Was macht für Dich eine gute Tänzerin aus?

Ich persönlich mag authentische und bescheidene Tänzerinnen (nicht falsch verstehen: Bescheidenheit und Rampensau schließen sich bei mir gar nicht aus), die zu einer Art Kanal für die Kunst werden, die sie präsentieren.
Eine gute Tänzerin kann meiner Ansicht nach auf der Bühne ihr Ego überwinden und dadurch den Zuschauern sehr tiefe und wichtige Emotionen übermitteln.
In Bezug auf den hawaiianischen Tanz habe ich einen Lehrer sinngemäß sagen hören: „Es sind nicht wir, die den Hula tanzen, es ist der Hula, der uns tanzt.“
Diese Aussage gefällt mir sehr.

4. Warum unterrichtest Du? Was magst Du am Unterrichten am liebsten?

Ich liebe es, zu beobachten, wie nach langer Zeit des Techniktrainings die Gefühle der Schülerinnen aufzuleuchten beginnen und jede mit einem Mal beginnt, etwas ganz Besonderes und zugleich Universelles in die Welt zu transportieren.
Besonders gefällt mir auch, dass ganz unterschiedliche Personen lernen, sich gegenseitig in der Gruppe wahrzunehmen und ein harmonisches Ganzes entsteht. Das hat manchmal fast etwas von Zauberei… und erzeugt bei mir immer Gänsehaut.

5. Hast Du ein Lieblingsaccessoire auf der Bühne und/oder im Unterricht?

Therese und die Ipu Heke - Foto: K. Poledica
Therese und die Ipu Heke – Foto: K. Poledica

Die Ipu Heke, also die hawaiianische Kürbistrommel.
Mit ihr kann ich beim Einüben von Grundschritten den Rhythmus vorgeben und beim traditionellen Hula (Hula Kahiko) ist sie sowieso das wesentliche Begleitinstrument. Darüber hinaus gibt es sowohl traditionelle, wie auch zeitgenössische Tänze aus Hawaiʻi, bei denen mit der Trommel getanzt wird.

6. Was können Deine Kursteilnehmerinnen von Dir erwarten?

Ich habe richtig viel Geduld und viele Ideen, weil ich verstehe, dass jeder Mensch anders lernt. Trotzdem ist der hawaiianische Tanz bei mir auch ein gutes (körperliches und geistiges) Workout, weil es für mich eine sehr ernste Verantwortung ist, die Technik und die Tänze auch so weiterzugeben, wie ich sie selbst von meinen Lehrern vermittelt bekommen habe. Darüber hinaus gebe ich gerne viel Hintergrundwissen weiter.

7. Was macht Dich als Dozentin aus?

Ich glaube, das Besondere an mir ist, dass ich sehr gerne neue Dinge lerne und für mich selber immer wieder nach Herausforderungen suche. Diese Leidenschaft überträgt sich oft auf die Schülerinnen.
Ich stehe auch sehr stark für die Vorstellung, dass die tänzerische Entwicklung (auf jeden Fall im Hula – vielleicht auch allgemein) ein spiritueller Weg ist. Selbsterkenntnis ist Teil dieses Weges.

8. Was erwartest Du von Deinen Kursteilnehmerinnen?

Ich freue mich immer ganz arg über die Bereitschaft von Kursteilnehmerinnen, tiefer in die Materie einzutauchen und sich über das Tänzerische hinaus mit der Kultur Hawaiʻis zu befassen.
Außerdem ist der hawaiianische Tanz anstrengender als er aussieht (das gilt wahrscheinlich für fast jeden Tanz) – richtig schön, ausdrucksstark und lustig wird es nur, wenn man ein gewisses Maß an Ernsthaftigkeit und „Leidensfähigkeit“ mitbringt.

9. Welcher Typ Frau fühlt sich von Hula angezogen? Welche Frauen profitieren von Deinem Unterricht ganz besonders und warum?

Hula ist gut für Frauen, die nach Erdung und nach Fokus suchen.
Insbesondere die ritualhaften Bewegungen des traditionellen Hula haben eine Nähe zu manch meditativer Form des Kampfsportes und erlauben uns, Energie zu kanalisieren und Konzentration zu fördern.
Durch die weichen, fließenden Bewegungen des zeitgenössischen Hula lernen Frauen jedes Körpertyps, ihre Weiblichkeit besser anzunehmen, und verstehen gleichzeitig, dass das Kämpferische und die feminine Eleganz sich nicht ausschließen müssen.

10. Was hat die Beschäftigung mit diesem Tanz in Deinem Leben/bei Dir verändert?

Therese auf der Bühne - Foto: Y. Lastes
Therese auf der Bühne – Foto: Y. Lastes

Die Ausübung des hawaiianischen Tanzes hat mir deutlich mehr Struktur und Fokus gegeben und mich mit Leidenschaft dazu bewegt, Choreographien, Lieder und Trommelrhythmen auswendig zu lernen und auch körperlich meine Grenzen besser kennenzulernen.
Der Hula ist ein ziemlich geniales Training für Gehirn und Ausdauer und ist dabei mit einem nahezu unendlichen Maß an Freude verbunden.
Ich habe außerdem gelernt, auch die weichen und eleganten Tänze zu genießen (meine erste Liebe galt dem traditionellen, kraftvollen Hula) und mich als „Rampensau“ wiederentdeckt.

Herzlichen Dank, liebe Therese, dass Du Dir die Mühe gemacht hast, meine Fragen zu beantworten. Ich danke Dir für Deine Offenheit sowie Dein Engagement im Unterrricht, für unsere Teilnehmerinnen und OT pur!

Mehr zu Therese findest du unter ihrer Dozentenbeschreibung.
Mehr zu ihren aktuellen Kursen unter Hula.