Tanzen wie die Stars – Tanzstilanalyse

Tänzerinnen wie Taheya Karioka, Samia Gamal, Naima Akef, Nagua Fouad, Suhair Zaki, Mona el Said, Fifi Abdo, Dina u.v.m. sind bis heute die Stars der ägyptischen Bauchtanzszene.
Was macht sie so besonders? Warum fasziniert uns ihr Tanzstil auch über ihr Karriereende, ja sogar über ihren Tod hinaus?
Wie haben sie es geschafft, das Publikum in ihren Bann zu ziehen?

Früher oder später beschäftigen diese Fragen jede ambitionierte Tänzerin/Tanzschülerin. Fragen, denen man sich mit einer Tanzstilanalyse nähern kann.
Das gilt übrigens grundsätzlich für alle Tanzstile, nicht nur für den Orientalischen Tanz.

1. Lege Youtube-Playlisten an

Da wir viele der Tänzerinnen nicht (mehr) live erleben können, sind wir auf das vorhandene Videomaterial angewiesen. Und Youtube liefert eine Menge Material!
Du musst es nur finden und sortieren.
Lege dir für jede Tänzerin eine Liste an. Am besten beginnst du mit einer Tänzerin, deren Stil dir besonders gut gefällt und zu der du viel Material findest. Oder du startest mit einer der frühen Größen (z.B. Taheya Karioka, Samia Gamal, Naima Akef). Dann kannst du später auch die Entwicklung des Tanzes im Laufe der Zeit nachvollziehen.

Tipp: Nutze Google, um die verschiedenen Schreibweisen der Tänzerinnen sowie deren Namen auf Arabisch herauszufinden. Die Ergebnisse gibst du dann wieder bei Youtube ein. Damit erschließt du dir Videos, die du mit einer oder der deutschen/englischen Schreibweise vielleicht nicht gefunden hättest.

2. Ordne die Videos zeitlich ein

Kostüm, Musik, Frisur und Accessoire der Tänzerin sowie Kleidung und Frisuren des Publikums helfen bei der zeitlichen Einordnung des Videos/Tanzes. Bühne,
Bühnenhintergrund, Musiker, Dekoration, Qualität des Videomaterials können ebenfalls Hinweise liefern.
Farbgebung, Materialien, Muster, Mode – die 60er, die 70er, die 80er oder 90er? Jedes Jahrzehnt hat so ein paar typische „Merkmale“ ;). Nutze sie für deine Zeitanalyse.

Tipp: Wenn du Glück hast, findest du eine Jahresangabe in der  Videobeschreibung oder den Kommentaren. Oder du fragst selbst per Kommentar nach. Oder bittest andere Tänzerinnen, z.B., über Facebook, dir zu helfen.

3. Musikinterpretation

Analysiere die getanzte Musik. Länge, Rhythmen, Instrumentierung – vielleicht kennst du das Stück sogar?
Handelt es sich um ein klasssisches Raks Sharki-Stück, eine Hommage an eine_n berühmte_n Sänger_in? Ein Folklorestück? Wird die Tänzerin von Musikern/Sänger_innen begleitet?
Sind noch mehr Tänzer_innen beteiligt – in welcher Form?
Wie ist das Stück/der Tanz eingebettet? In einen Film? In eine längere Show?
Was trägt die Tänzerin dazu? Nutzt sie ein Accessoire?
Notiere alles, was dir hilft, die Musik und den Tanz einzuordnen.

Tipp: Je länger und intensiver du dich bisher mit dem OrientalischenTanz beschäftigt hast, desto leichter wird dir diese Aufgabe fallen. Und mit jeder weiteren Analyse wird es einfacher. Gib also nicht gleich auf, wenn du nicht viel zur Musik sagen kannst. Frage deine Lehrerin oder z.B. in einer Facebook-Gruppe.

4. Diva, Femme fatale oder das Mädchen von nebenan?

Diva, Femme fatale oder Mädchen vom Lande - Fotos: S. Kleefen
Diva, Femme fatale oder Mädchen vom Lande – Fotos: S. Kleefen

Kannst du etwas über den Ruf der Tänzerin herausbekommen? Über ihre Lebensgeschichte, ihren Lebenswandel? Ihre Vorlieben? Ihr Geburtsjahr, ihr Alter in den jeweiligen Videos? Ihre Herkunft?
Wie empfindest du ihre Ausstrahlung beim Tanzen (vergleiche verschiedene Videos)?
Vielleicht kannst du sie auch mit anderen, dir bekannten Tänzerinnen vergleichen und so Unterschiede zwischen den Stars feststellen.

5. Bewegungsanalyse

Das vermutlich Wichtigste für uns Tänzerinnen/Tanzschülerinnen: Die Bewegungsanalyse. Wenn ich ein Video schaue, möchte ich wissen, welche Bewegungen die Tänzerin verwendet und wie sie sie tanzt. Ich möchte sie nachtanzen können, um mein eigenes Repertoire oder das meiner Schülerinnen erweitern zu können.

Hat deine Tänzerin Lieblingsbewegungen? Erkennst du dir bekannte Bewegungen? Layerings?
Wie setzt sie ihren Oberkörper und ihre Arme ein?
Wie nutzt sie den Raum?

Achte ganz besonders auf ihre Füße. Was machen die Füße bei den jeweiligen (Becken-)Bewegungen?
Oft sind gerade die Füße schwer zu erkennen – es gibt nicht viele Szenen in Filmen oder von Shows, in denen die Kamera auf die Füße der Tänzerin ausgerichtet war ;). Ein Grund mehr, sich verschiedene Videos ein und derselben Tänzerin anzuschauen!

Nimm ihre Bewegungen, soweit du kannst, auseinander. Betrachte sie im Detail (z.B. Bewegungsansätze, Einsatz der Füße), aber auch in der Zusammenschau, also ihren Einsatz im Tanz, zur Musik.
Kannst du ihr Bewegungsbild in 2-3 Sätzen beschreiben? Gibt es Worte, die es  für dich treffend kennzeichnen? Was ist besonders? Was fällt auf? Was macht sie anders als ihre Vorgängerinnen, anders als heutige Tänzerinnen?

Tipp: Ein Video reicht natürlich nicht, um den Stil einer Tänzerin zu erfassen. Aber es ist ein Anfang. Analysiere am besten mehrere Videos. Achte auf die zeitliche Einordnung. Vielleicht entdeckst du eine Entwicklung im Stil dieser einen Tänzerin?

6. Ausblick: Tanzen wie die Stars

Übung macht den Meister. Das gilt auch für die Tanzstilanalyse. Für mich ist sie Weiterbildung pur!

Warum solltest auch du dich als Tanzschülerin/Tänzerin mit den Stars der
Szene beschäftigen? V.a. mit denen früherer Jahre?

Du kannst von ihnen unglaublich viel in Bezug auf den Tanz, die
Geschichte des Tanzes, die Entwicklung der Bewegungen, den
Zeitgeist und die Musikumsetzung lernen.

Verstehen und imitieren großer Tänzerinnen ist eine Möglichkeit, mehr über den Tanz zu lernen. Es bringt dich deinem eigenem Stil näher.

Im OT pur bieten wir regelmäßig die Workshopreihe „Tanzen wie
die Stars“ an. Und wir unterrichten diese Themen in unseren
Fortgeschrittenenkursen.
Uns ist die Beschäftigung mit den verschiedenen und faszinierenden, großen Tänzerinnen v.a. des ägyptischen Stils sehr wichtig.
Dir auch?

Du möchtest eine Zusammenfassung dieses Artikels, das kostenlose Workbook Tanzstilanalyse, als PDF erhalten?

Unsere Datenschutzerklärung findest du hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.