„Tribal Fusion ist das rebellische Kind seiner Eltern“ – Interview mit OT pur-Dozentin Lea

Lea ist seit Anfang 2019 Dozentin für Tribal/Bellydance Fusion im OT pur.
Ich habe Lea Ende 2018 kennengelernt, sie hatte sich auf meine Suche nach Dozentinnen für das OT pur gemeldet.
Es hat gleich gepasst! Dem zweistündigen „Vorstellungsgespräch“ folgten zwei Probestunden, die sie unterrichtet hat und seit Januar 2019 ist im „Team OT pur“.

Wie sie zum Tanzen gekommen ist, was Unterrichten für sie bedeutet und ihre Ansichten zu Tribal Fusion erfährst du in diesem Interview.

1. Wie bist Du zum Tanzen gekommen, welche Tänze hast Du schon ausprobiert und welche tanzt bzw. unterrichtest Du heute?

Meine Mutter hat, als ich ungefähr 10 Jahre alt war, einen Kurs für Orientalischen Tanz im Turnverein angefangen. Weil es ihr dort so viel Spaß gemacht hat, hat sie mich damals auch gleich für den Kinderbauchtanzkurs angemeldet.
Seitdem begleitet mich der Orientalische Tanz – sei es während meines Pädagogikstudiums in München als Tänzerin des Ensembles „Bellylicious“ oder heute als Tänzerin der Mainzer Bauchtanzshowgruppe „Kadin Kalça“.

Vor ca. 4 Jahren habe ich dann meine Tanzlehrerin Massa auf einer Tanzshow kennengelernt. Ich war fasziniert von dieser ganz besonderen Art Tanz, den sie da zeigte, „Tribal Fusion“. Ich wurde direkt Teil ihres damals neuen Tanzkurses.
Neben Bauchtanz und Tribal Fusion hatte ich auch schon immer eine ganz besondere Leidenschaft für Hip Hop – sowohl für Rap und R’n‘B, als auch für Hip Hop Tanz. Daher habe ich auch knapp 5 Jahre in dem Bereich getanzt.
Ich interessiere mich darüberhinaus auch für den Stil und Glamour der 20er Jahre, d.h. alles, was z.B. mit Flapper Girls, Charleston und Vintage Showdance zu tun hat.

Aus all diesen Einflüssen hat sich dann mit der Zeit mein eigener Tanzstil entwickelt, der die Konzepte aus Tribal Fusion gepaart mit meinen Lieblingstanzthemen aus
Hip Hop und Vintage-Tanzformen nutzt, aber auf jeden Fall noch ganz viele Elemente aus dem klassisch Orientalischen Tanz aufweist. Daher unterrichte ich im OTpur den Kurs „Tribal / Bellydance Fusion“, weil ich glaube, dass dieser Begriff alles ganz gut zusammenfasst.

2. Was macht diesen Tanz für Dich aus?

Lea - Tribal Fusion- und orientalische Tänzerin, Dozentin im OT pur in Frankfurt - Foto: C. Zimmermannn
Lea – Foto: C. Zimmermann

An Tribal Fusion liebe ich schlichtweg das Markenzeichen dieses Tanzes: Isolationen und Körperkontrolle. Die fusiontypischen Bewegungen wie Waves, Locks, Shimmies oder Circles erfordern sowohl Flexibilität als auch Kraft.
Tribal Fusion an sich ist sehr divers und hat sich gerade in den vergangenen 10 Jahren stark weiterentwickelt. Der Name nimmt ursprünglich Bezug auf das Kombinieren (daher das Wort „Fusion“) von klassisch-orientalischem Tanz und American Tribal Style® (ATS®) (daher das Wort „Tribal“).
Mittlerweile erstreckt sich dieses Kombinieren jedoch auch auf viele verschiedene andere Tanzrichtungen, z.B. Hip Hop, Ballett, indische Tänze, Burlesque, etc. Auch die Musik kann sehr vielseitig sein: Sie reicht von indischen, orientalischen Tönen, über
Rap, Swing, Pop bis hinzu elektronischen Klängen. Selbst bei den Kostümen in Fusionstücken findet man alles von orientalisch-angehauchten Glitzerkostümen bis hin zu schönen, puristischen Outfits aus z.B. Jeans und Bandeautop.
Ich würde behaupten, dass sich jeder in Tribal Fusion wieder finden kann.

3. Was macht für Dich eine gute Tänzerin aus?

Eine gute Tänzerin weiß, dass sie nie ausgelernt hat und schätzt es, dass es immer etwas zu üben und dadurch auch viel Neues zu entdecken gibt. Auch, wenn manche Bewegungstechniken mal nicht gleich auf Anhieb klappen wollen, gibt sie nicht auf, denn sie weiß, dass der Weg auch das Ziel ist.

4. Warum unterrichtest Du? Was magst Du am Unterrichten am liebsten?

Ich mag es an sich sehr gerne in einer Gruppe an herausfordernden Projekten zu arbeiten. Im Tanzunterricht kann das eine bestimmte Bewegungstechnik, eine kleine Tanzkombi oder eine komplette Choreografie sein.
Es ist immer toll zu sehen, wenn sich Kursteilnehmerinnen dadurch kontinuierlich weiterentwickeln und über sich hinauswachsen.
Am Unterrichten mag ich am liebsten, dass ich mir immer wieder neue Konzepte überlegen kann – sei es ein neues Warm-Up, eine Erklärung für eine Tanztechnik oder eine wunderschöne Tanzkombi zu meiner aktuellen Lieblingsmusik.

5. Hast Du ein Lieblingsaccessoire auf der Bühne und/oder im Unterricht?

Lea und ihr Federfächer - Foto: N. Kaus
Lea und ihr Federfächer – Foto: N. Kaus

Ehrlich gesagt tanze ich am liebsten ganz puristisch – in einem schlichten Kostüm und auch meist ohne Accessoire. Wenn ich eines aber wählen müsste, wäre es sicherlich mein champagnerfarbener Federfächer, mit dem ich eine Choreographie, die vom glamourösen Tanzstil der 20er Jahre inspiriert ist, tanze.

6. Was können Deine Kursteilnehmerinnen von Dir erwarten?

Einen vorbereiteten und abwechslungsreichen Unterricht mit Fokus auf das Erlernen der speziellen Tanztechniken.
Neben dem Technik-Üben kommt das reine Tanzen natürlich auch nicht zu kurz: Wir lernen zusammen kleine Kombis, die zu der zuvor gelernten Technik passen.
Natürlich bilde ich mich auch kontinuierlich weiter mithilfe von Workshops und Intensives bei nationalen und internationalen Tänzerinnen der Tribal Fusion und ATS®
Szene.

7. Was macht Dich als Dozentin aus?

Ich gehe auf die Kursteilnehmerinnen ein und versuche sie dort abzuholen, wo sie sich tänzerisch gerade befinden. Ich halte es auch für wichtig, auf die historischen Hintergründe von Tribal Fusion im Unterricht einzugehen – so haben wir uns in einer Stunde zum Beispiel mal mit einer der Wurzeln von Tribal Fusion, nämlich ATS®, beschäftigt.

Neben alle dem möchte ich auf jeden Fall auch den Spaß am Tanzen vermitteln:. Im Unterricht tanzen und lachen wir auch auf jeden Fall sehr viel :-).

8. Was erwartest Du von Deinen Kursteilnehmerinnen?

Einerseits auf jeden Fall Geduld! Beispielsweise werden durch die Muskelarbeit, die Bewegungen einfach fließender, klarer, schlangenartiger und eindrucksvoller. Das braucht Zeit und Wiederholung.
Je regelmäßiger Kursteilnehmerinnen zum Unterricht kommen und dadurch üben, desto besser werden sie, desto schöner werden die Bewegungen.
Andererseits wünsche ich mir von jeder Kursteilnehmerin auch Mut dazu, mit der Zeit und mit der Übung, einen eigenen Tanzstil zu entwickeln.

9. Welcher Typ Frau fühlt sich von Tribal Fusion angezogen? Welche Frauen profitieren von Deinem Unterricht ganz besonders und warum?

Lea - kreativ und nicht auf einen Tanzstil beschränkt. Foto: C. Zimmermann
Lea – kreativ und nicht auf einen Tanzstil beschränkt. Foto: C. Zimmermann

Tribal Fusion ist selbst eine sehr junge Tanzart, sie ist Anfang der 2000er in den USA entstanden. Tribal Fusion ist das rebellische Kind seiner Eltern „American Tribal Style (ATS)“ und „Bauchtanz“: Es schaut sich immer wieder nach neuen Tanzfreunden um, spielt mit ihnen, bleibt dabei aber immer in Reichweite seiner Eltern.
Allein dadurch würde ich sagen, dass sich von Tribal Fusion Frauen angezogen fühlen, die neugierig und experimentierfreudig sind. Meist sind es auch Frauen, die bereits Vorkenntnisse aus anderen Tanzarten haben (z.B. Bauchtanz, Ballett, Hip Hop, Jazz, etc.). Daneben ist der Tanz sicher auch allein durch die zeitgenössische, eigenwillige
und moderne Musik besonders bei jungen und junggebliebenen Frauen beliebt.

10. Was hat die Beschäftigung mit diesem Tanz in Deinem Leben/bei Dir verändert?

Tribal Fusion hat mir letztendlich geholfen meine verschiedenen Tanzinteressen „unter einen Hut zu bringen“, offen für Neues zu sein, stetig zu lernen und einen eigenen Tanzstil zu entwickeln. Es haben sich für mich plötzlich ganz neue Möglichkeiten des Ausdrucks und der tänzerischen Kreativität eröffnet, weil eben so viele Stile miteinander kombinierbar sind. Mir macht es einfach unglaublich viel Spaß!

Herzlichen Dank, liebe Lea, dass Du Dir die Mühe gemacht hast, meine Fragen zu beantworten. Ich danke Dir für Deine Offenheit sowie Dein Engagement im Unterrricht, für unsere Teilnehmerinnen und OT pur!

Mehr zu Lea findest du unter ihrer Dozentenbeschreibung.
Mehr zu ihren aktuellen Kursen unter Tribal/Bellydance Fusion.