Shimmy – fit or quit? Teil 1

Du willst endlich richtig gute Shimmies tanzen können?
Kann ich absolut nachvollziehen.

Meine Shimmy-Erfolgsstory

Bei mir hat es drei Jahre gedauert – dann hatte ich die Schnauze voll. Ich hatte das Gefühl, alle im Kurs können schon Shimmies, nur ich nicht.

Heute wäre ich da vermutlich ganz anderer Meinung ;).
Viele Kursteilnehmerinnen GLAUBEN, Shimmy tanzen zu können. Aber sind fünf Sekunden Gewackel wirklich das, was du willst?

Viele Schülerinnen wissen nicht, was sie wie bewegen sollen. Sie tanzen den Shimmy unisoliert, meist gehen Oberkörper und Arme unkontrolliert mit. Manche verzerren die Gesichter oder zittern mit den Händen vor Anstrengung und Konzentration.
Hast du sicher alles schon mal gesehen – vielleicht sogar bei dir?

Leider gibt es noch viele Dozentinnen, die Shimmies weder erklären (können), noch selbst gut tanzen. Und die Kursteilnehmerin ahmt in diesem Fall ja nur nach, was sie sieht.

Mir ging´s genauso. Und wie oben schon erwähnt, hatte ich irgendwann keine Lust mehr auf die shimmyfreie Zone, in der sich mein Körper permanent aufhielt. Ich hatte schon fast aufgegeben und wartete immer noch auf den „Klick“, den es laut meiner Dozentin angeblich machen sollte…

Ich glaube, dieser „Klick“ ist ein Märchen. Eine Geschichte, die gerne erzählt wird, wenn der Dozentin die Ideen zur Vermittlung des Shimmys ausgehen. Bei mir ist nie ein Groschen gefallen.

Ich wartete also nicht mehr auf das „Shimmy-Wunder“ und begann zu üben. In den Semesterferien. Jeden Tag. 30-60min. Schweißgebadet stand ich vor dem großen Spiegel, den ich mir für das Training im Schlafzimmer hatte aufhängen lassen.
Nach drei Monaten war es dann soweit: Ich konnte Shimmies!

Ungefähr 10 Sekunden am Stück… Ohne weitere Bewegungen/Layerings…. An Laufen war schon gar nicht zu denken… 😉
Aber immerhin stimmte die Isolation (die ist mir schon immer recht leicht gefallen) und meine Arme hatte ich auch unter Kontrolle.

Ich war auf dem richtigen Weg: Ein guter, gleichmäßiger, großer oder kleiner, nicht anstrengender, jederzeit einsetzbarer Shimmy ist Übungssache. Shimmies sind hochkoordinativ und außerdem eine Sache der Ausdauer.
Da hilft nunmal nur Üben, Üben, Üben.

Ich beschäftigte mich in der Folge intensiver mit dem Shimmy. Heute ist es eine meiner Lieblingsbewegungen und ich nutze sie im Tanz u.a., um mich auszuruhen und zu entspannen 😉 – sofern sie zur Musik passt, natürlich.

Damit das Üben Sinn macht, sollte die Shimmytechnik stimmen. Damit sich der Erfolg so schnell wie möglich einstellt, braucht es ein durchdachtes Trainingsprogramm.

Ich freue mich darauf, dir die von mir im Unterricht angewendeten Trainingsmethoden vorstellen zu dürfen!

Starten möchte ich mit dem Knieshimmy – ich halte ihn für den einfachsten, am häufigsten eingesetzten und am wenigsten anstrengenden Shimmy. Außerdem wird dir der Beckenshimmy leichter fallen, wenn du den Knieshimmy beherrschst (weil deine Knie nicht mehr „im Weg sein“ werden). Wenn du beide Shimmy-Variationen kennst und kannst, kannst du sie beliebig kombinieren und damit die Musik viel genauer und für dich stimmiger umsetzen :)!

Knie(-Wipp-)Shimmy

= schnelle bis sehr schnelle Wippe aus den Knien. Mehr oder weniger starke Beteiligung der Rumpfmuskulatur (Beckenwippe) möglich, aber nicht nötig.

Vorübung

Setze dich auf den Boden und schüttel die Beine aus (stütze dich gerne mit den Armen ab, damit die Beinmuskulatur entspannt bleibt) – das ist ein Shimmy!

Bewege deine Beine jetzt bewusst und beobachte, ob beide Beine gleich groß, schnell und stark arbeiten. Gleiche Unterschiede aus. Lass dann den „Shimmy“ größer werden, ohne dabei den Boden mit den Kniekehlen zu berühren.
Wenn du kräftige Wade hast, kann es sein, dass diese Übungsvariation dir nicht viel bringt, weil deine Waden den Boden gleich berühren und die Bewegung blockieren.

Führe die gleiche Übung aus, während die Fußsohlen an einer Wand anliegen.
Identifiziere die für dich wichtigen Muskelpartien, die sich jetzt am meisten anstrengen müssen. Auf diese Partien achte während des Trainings besonders und entspanne sie während der Bewegung immer wieder bewusst.

Hinweise zum Training

Kniewippe abwärts - Foto: R. Rossbacher
Kniewippe abwärts – Foto: R. Rossbacher

Im Stand arbeite ich mit der Wippe aus den Knien nach unten/abwärts. Aufwärts wäre ebenso möglich. Frauen, die ihren Rücken und ihre Knie schonen wollen, vielleicht noch nicht so lange tanzen, die Grundhaltung in der Bewegung nur schwer aufrecht erhalten können, empfehle ich die Wippe abwärts.

Wir nehmen eine lockeren Grundhaltung des Beckens ein (nicht zu viel Spannung, sondern „schweres, hängendes Becken“).

Wippe zu einer langsamen Musik mit deutlich hörbaren Dums auf 1 und 3 im einfachen Tempo, z.B. zu einem langsamen Kleinen Masmoudi ( 1 2 3 4 – re li re li). Steigere deine Wippe im Laufe des Trainings/der Wochen auf doppeltes (1 und 2 und 3 und 4 und – re li re li re li re li) bzw. vierfaches Tempo (1 und 2 und 3 und 4 und – re li re li re li re li re li re li re li re li).

Starte zu Beginn immer mit der gleichen Seite beim Üben. Wenn das gut läuft, wechsel die Startseite auch mal.

Deine Wippe sollte gleichmäßig und gut isoliert sein. Du solltest deine Hände in seitlicher Grundhaltung ruhig am Platz halten können, bevor du dich der nächsten Übung zuwendest.

Beide Knie sind gleichstark an der Wippe beteiligt, sofern das Gewicht gleichmäßig verteilt ist.

Bauchtanz lernen in Frankfurt - Foto: R. Rossbacher
Bauchtanz lernen in Frankfurt – Foto: R. Rossbacher

Wenn ihr das zu dritt ausprobiert, z.B. im Kurs, können zwei Frauen mit einem oder zwei Tanzstöcken die Grenzen der Wippbewegungen vorne und hinten markieren. Die sollte nämlich nicht zu groß ausfallen, sonst verlierst du die Isolation und die Knie blockieren.

Stehe nur so tief in den Knien, wie unbedingt notwendig. Platziere Becken und Brustkorb übereinander (kein vorgeschobenes Becken oder zurückgelehnter Oberkörper). Eine gute und sichere Grundhaltung ist Voraussetzung.

Trainingsmöglichkeiten am Platz

Wippe läuft? Wunderbar!
Denk daran: Es ist nicht wichtig, in welchem Tempo du eine gleichmäßige Wippe abwärts ausführen kannst, wichtig ist, dass die Isolation stimmt. Ausdauer und Tempo kommen mit der Übung.

Lass uns die Wippe mit weiteren Bewegungen im Stand kombinieren. Das geht auch schon, wenn deine Wippe noch recht langsam ist.

Kombiniere die Wippe mit

  • seitlichem Beckenschieben
  • Vor-Rück-Schieben (sagittales Schieben)
  • Pendel (Twist)
  • Kippe
  • Armposen, Schlangenarme vor/seitl.

Als Vorübung für das Laufen mit Shimmy arbeiten wir mit Gewichtsverlagerungen:

  • Wippe auf den Ballen.
  • Wippe auf den Ballen und rolle jeweils auf 1 abwechselnd die Füße ab.
  • Stehe etwas breiter und nutze je 4 Wippen zum seitlichen Verlagern des Körpergewichts von einem Bein auf das andere
  • und vier weitere Wippen zum Anstellen (Tep) des Beines: 1-4 Verlagern, 1-4 Tep, 1-4 Verlagern, 1-4 Tep.
  • Statt eines Teps kannst du den Fuß auch tippen oder gar nicht absetzen (auf einem Bein wippen).
  • Setze Teps/Tips aus dem Stand auf 1 vor, seitlich und zurück (mit gebeugtem und gestrecktem Spielbein).

Viel Spaß beim Ausprobieren und Üben!

Ausblick

Im nächsten Teil dieser kleinen Reihe zum Shimmy stelle ich dir Übungen vor, mit denen du deinem Shimmy „Beine machen“ kannst, und wir schauen uns den Trippelshimmy/ChooChoo/ShooShoo genauer an.

Titelbild: Sabuas Lichtraum